Hexenfluch und Drachenfeuer
Wenn es darauf ankommt ❖
drache-für einige Augenblicke blieb es vollkommen still. Isaés Blick ruhte noch auf jener Stelle zwischen den Bäumen, an der Imoël eben gestanden hatte. Nichts deutete mehr darauf hin, dass sie überhaupt dort gewesen war. Keine Fußspuren im feuchten Laub, kein Rascheln zwischen den Farnen, und auch nicht jener seltsame lebendige Schatten, der sich noch vor wenigen Augenblicken zu ihren Füßen bewegt hatte. Nur die dunklen Stämme standen dort, einer hinter dem anderen, und dahinter begann bereits wieder jenes undurchdringliche Halbdunkel, das sie auf ihrem Weg hierher begleitet hatte. Isaés Blick lag auf der Ruine unter ihnen. Das Vormittagslicht fiel noch immer durch die leeren Arkaden und zog lange, helle Bahnen über den dunklen Stein. Von hier oben wirkte Svar Drauga beinahe friedlich. Alt, verlassen und vom Wald vergessen. Doch die Hexenjägerin wusste, dass man einem Ort nicht trauen durfte, nur weil er schweigsam, verlassen und friedlich wirkte. Hinter ihr scharrte ein Stiefel über den Boden. „Ser Gawaïn…“ Der Angesprochene reagierte zunächst nicht. Er stand einige Schritte vom Rand entfernt und betrachtete noch immer die Ruine, als hätte Imoëls Erscheinen lediglich eine lästige Unterbrechung dargestellt, die nun endlich vorüber war. „Ser Gawaïn…“ wiederholte der Mann nun lauter. Nun wandte Gawaïn langsam den Kopf. Der Recke, der gesprochen hatte, war einer der älteren Männer. Schweiß hatte dunkle Flecken unter den Armen seiner Tunika hinterlassen, und sein Gesicht war vom Aufstieg gerötet. Er stützte eine Hand auf sein Knie und deutete mit der anderen zurück zur Treppe. „Wir gehen vorerst keinen Schritt weiter.“ Einige Köpfe fuhren überrascht zu ihm herum. Auch Gawaïn, doch er sagte nichts. Der Mann schien den Mut, den es ihn gekostet hatte, diese Worte auszusprechen, nicht wieder verlieren zu wollen und so sprach er weiter. „Wir sind seit Stunden auf den Beinen. Erst dieser verfluchte Wald, dann diese Treppe. Die Männer sind müde. Wir brauchen eine Rast.“ Gawaïn drehte sich nun ganz zu ihm um. Langsam ging er auf den Recken zu. Mit jedem seiner Schritte schien dessen Entschlossenheit ein wenig kleiner zu werden, doch er wich nicht zurück. Erst als Gawaïn unmittelbar vor ihm stehen blieb, senkte er unwillkürlich das Kinn. Gawaïn betrachtete ihn lange und mit einer eigentümlichen Ruhe, die auf den Recken weitaus unangenehmer wirkte als ein Zornesausbruch, den er von seinem Herrn durchaus gewöhnt war. „Ihr braucht also eine Rast.“ Es war keine wirkliche Frage. Der Mann schluckte, blickte ihm jedoch standhaft aufrecht ins Gesicht. „Ja...“ Gawaïns Augen verengten sich leicht als er den Mann musterte, dann wanderte sein Blick an ihm vorbei zu den übrigen Männern. Keiner sagte etwas, doch die erschöpften Gesichter sprachen deutlich genug. Einer hatte sich bereits gegen einen Baum gelehnt, ein anderer hatte ein Bein auf einem moosigen Baumstumpf abgestellt. Nur wenige ließen sich nichts anmerken, wie es um ihre Kraftreserven stand. Schließlich sog Gawaïn langsam die Luft durch die Nase. „Dann rasten wir.“ Eine Welle der Erleichterung schien durch die Menge der Männer zu gehen. „Esst etwas. Ruht eure Beine aus. Danach gehen wir weiter.“ Einige Köpfe nickten und die Mienen der Recken entspannten sich sichtlich. 

Es dauerte nicht lange, bis sich die Männer zwischen den Bäumen und auf groben Felsstücken verteilten. Einer ließ sich mit einem erleichterten Ächzen auf einen abgeflachten Stein sinken, ein anderer legte sein Schwert neben sich ins Gras und begann, an den Riemen seiner Stiefel zu zerren und zog sich diese von den Füßen. Sie kramten Brot, getrocknetes Fleisch und kleine, harte Käsestücke hervor. Isaé und Entaro wurden ein Stück abseits an den Fuß einer alten Mauer gesetzt. Immerhin hatte niemand es für nötig befunden, ihnen auch noch die Füße zu fesseln. Die schweren Eisenschellen um ihre Handgelenke genügten offenbar, um Gawaïn zufrieden zu stellen, obgleich es Isaé nicht verstehen konnte, warum er so zwischen fesseln und wieder freilassen schwankte. Die Männer waren in der absoluten Überzahl, was hätten sie schon gegen sie ausrichten können? Isaé ließ sich auf den staubigen Boden sinken und lehnte sich mit dem Rücken an einen schroffen Felsen. Noch immer verfluchte sie dieses dämliche Kleid, das sie trug. Es erschien ihr ohnehin völlig unnütz, aber hier, im offenen Gelände war es absolut unpassend. Erst jetzt, da sie saß, bemerkte sie, wie sehr der Aufstieg auch ihr zugesetzt hatte. Ihre Waden fühlten sich schwer an, und unter den eisernen Ringen an ihren Handgelenken war die Haut, die schon von den Fesseln seit ihrer ersten Gefangenschaft wund geworden waren, wieder aufgescheuert. Ein Schatten fiel über sie und sie hob den Kopf. Einer der Männer stand vor ihnen und hielt zwei Stücke Brot in der Hand. Er sah erst Entaro, dann Isaé an und warf jedem eines davon in den Schoß. „Nicht alles auf einmal.“ Isaé blickte auf das kleine Stück Brot hinunter. Dann hob sie langsam die Augen zu ihm. Der Mann grinste. „Nicht dass ihr denkt, wir wollen euch verwöhnen.“ „Das ist absolut denkbar…“, murmelte Isaé sarkastisch. Sein Grinsen verschwand. Für einen Augenblick sah es aus, als wolle er etwas erwidern, doch dann wandte er sich schweigend ab. Isaé nahm das Brot zwischen beide Hände. Mit den Ketten war selbst diese einfache Bewegung umständlich. Sie brach ein Stück ab und schob es sich in den Mund. Es war trocken, hart und schmeckte fad, doch es war besser als gar nichts. Neben ihr saß Entaro. Isaé sah ihn nicht an, denn viele Gedanken wanderten stetig durch ihren Kopf. Imoël hatte sie gewarnt, dass jene Worte die Ruine nicht verlassen durften. Gawaïn durfte nichts von ihrer Liebe erfahren, weil er sie unweigerlich gegen sie verwenden würde. Doch wie viel gab es da überhaupt noch zu verbergen? Sie konnte Entaro nicht gleichmütig ansehen. Wann immer ihre Blicke sich trafen, wurde ihr warm ums Herz. Gawaïn war kein Narr, und nachdem Entaro ihm erklärt hatte, ihr Tod würde einen Sturm heraufbeschwören, musste er längst begriffen haben, dass Isaé für ihn weit mehr war als nur eine Weggefährtin. Vielleicht wusste er nicht, was sie einander gesagt hatten. Aber er wusste genug. Seit Gawaïn vom Glauben gesprochen hatte, in der Ruine, und auch nun hier an diesem Ort, ging ihr ein Gedanke nicht mehr aus dem Kopf. Eigentlich war es nicht einmal das gewesen. Es waren Entaros eigene Worte. Er würde seinem Glauben abschwören. Für sie. Isaé hielt bei diesem Gedanken unweigerlich im Kauen inne. Vielleicht hätte dieser Gedanke etwas Schönes haben sollen. Ein Beweis dafür, welchen Platz sie in seinem Leben einnahm. Dafür, dass er sie liebte. Stattdessen hatte sich etwas in ihr dagegen gesträubt. Und je länger sie darüber nachdachte, desto heftiger wurde dieser Widerstand. Sie selbst verstand wenig von Entaros Glauben. Noch weniger verstand sie von jener Selbstverständlichkeit, mit der Menschen ihr Leben nach dem Willen irgendwelcher Götter ausrichteten, die sie weder sehen noch hören konnten. Isaé hatte vor langer Zeit aufgehört, ihren Blick zum Himmel, oder in den Wald, oder zu den Bergen zu heben und dort Antworten zu erwarten. Vielleicht gab es die Drei. Vielleicht sahen sie auf die Menschen und wussten um jedes Elend, das sich unter ihnen abspielte. Vielleicht kümmerten sie sich sogar darum. Doch die Drei hatten sich nicht um sie geschert. Man hatte sie von klein auf an gelehrt, dass jedes Leben ein Faden im großen Geflecht war und jeder Mensch durch seine Taten mitbestimmte, wohin der eigene führte. Doch eine Hexe hatte ihre Eltern und Aduan getötet und damit auch Isaés Leben aus seiner Bahn geworfen. Was hatte es da bedeutet, dass mit größerer Macht auch größere Verantwortung einherging? Getragen hatte die Folgen Isaé, die diese Macht ja nie besessen hatte. Durch Reue und Wiedergutmachung, hieß es, konnte ein beschädigter Faden wieder ins Geflecht eingebunden werden. Doch selbst die aufrichtigste Reue hätte keinen ihrer Toten zurückgebracht. Isaé hatte sich aus dem, was übrig geblieben war, ein neues Leben schaffen müssen. Auch ihre Flucht in den Feuermohn hatte Folgen gehabt, denen sie sich nicht entziehen konnte. Das wusste sie nur zu gut. Aber sie hatte längst aufgehört, darin eine Ordnung zu erkennen, der sie vertrauen konnte. Als Hexenjägerin hatte sie schließlich gelernt, das sie in dieses Geflecht eingreifen konnte, ehe fremde Schuld einen weiteren Lebensfaden und somit das große Geflecht zerstörte. Vielleicht war ihr alleine das vom Glauben noch geblieben. Aber ansonsten war von ihrem Glauben an die Drei nichts als Asche geblieben. Und irgendwann hatte Isaé aufgehört, darüber nachzudenken. Sie hatte auf schmerzliche Weise lernen müssen, wie das echte Leben, fernab von Glauben und damit verbundener Hoffnung funktionierte. Dass Hunger nicht verschwand, weil irgendeine Göttin Mitleid empfand, sondern wenn man etwas aß. Dass Wunden nicht heilten, weil man darum betete, sondern weil jemand sie säuberte und versorgte. Dass sie noch so lange auf Hilfe hoffen konnte, ohne dass jemand kam. Dass wenn etwas geschehen sollte, etwas getan werden musste, das über Beten und Hoffen hinausging. Vielleicht war das auch eine Art von Glauben.  Aber Entaro war anders. Was immer sein Glaube ihm bedeutete, er war ein Teil von ihm. Vielleicht einer, den sie zumindest zu diesem Zeitpunkt nicht verstehen konnte, weil sie wenig darüber wusste. Doch das musste sie auch nicht. Auch wenn sie Entaros Verbindung zu Schatten nicht selbst empfinden konnte, so wusste sie dennoch, was dieses Band für beide bedeutete. Akadien war seine Heimat, und sein Glaube gehörte ebenso zu ihm wie alles, was ihn geprägt hatte. Sie teilte ihn nicht, doch sie konnte ihn achten. Ihre Liebe galt Entaro mit allem, was er mit sich brachte, auch dort, wo ihr manches noch fremd war. 

Isaé sah auf ihre gefesselten Hände hinunter. Wenn Entaro seinen Glauben ihretwegen fortwarf, dann war das kein Liebesbeweis, den sie haben wollte. Vielleicht war ihm sein Glauben nicht so wichtig, wie es schien, so dass es ihm nichts ausmachte, ihn wegzuwerfen. Vielleicht würde er es niemals bereuen. Vielleicht würde er ihr bis zu seinem letzten Atemzug sagen, dass er dieselbe Entscheidung wieder treffen würde. Doch sie würde es wissen. Jedes Mal, wenn sie ihn ansah, würde sie wissen, was er getan hatte.  Und sie wollte nicht der Grund dafür sein. Niemals. Isaé hob den Kopf. Eine Weile sah sie schweigend geradeaus. Gawaïns Männer saßen verstreut zwischen den Bäumen. Einige unterhielten sich leise. Einer hatte den Kopf gegen einen Stamm gelegt und die Augen geschlossen. Gawaïn selbst stand ein gutes Stück entfernt und trank aus einem Schlauch, während einer seiner Männer mit ihm sprach. Isaé rückte ein wenig näher an Entaro heran. Die Kette zwischen ihren Handgelenken klirrte leise. „Entaro.“ Ihre Stimme war so gedämpft, dass sie glaubte, nur er könne sie hören, und sie wartete, bis er zu ihr sah. „Was auch immer dieser Ort, oder dieser Mann mit uns vorhat …“ Sie stockte kurz und warf einen Blick hinüber zu Gawaïn. „Du wirst deinem Glauben nicht abschwören.“ Es war keine Bitte. Isaé sah ihn eindringlich an und hielt seinem Blick stand. Sie senkte die Stimme noch weiter. „Und vor allem nicht wegen mir… Es ist das letzte, das ich will. Du darfst es nicht tun, hörst du? Für nichts auf der Welt. Auch nicht wegen einer Klinge, oder einem Strick um meinen Hals. Wir dürfen nicht zulassen dass er mich wie ein Werkzeug gegen dich verwendet…“ Für einen Augenblick schien es, als wäre dieser Satz tatsächlich nur zwischen ihnen geblieben. Dann erklangen Schritteh neben ihnen und eine spöttische Stimme. „Wie rührend.“ Isaé schloss für einen Herzschlag die Augen, dann öffnete sie wieder und wandte den Kopf. Gawaïn stand einige Schritte entfernt. Den Wasserschlauch hielt er noch immer in einer Hand. Wie lange er dort schon gestanden hatte, ließ sich nicht sagen. Sein Blick lag jedoch nicht auf Isaé. Er betrachtete Entaro. Und in seinem Gesicht lag jener ihr so verhasste Ausdruck, den sie an ihm inzwischen kannte. Eine Mischung aus Spott und etwas anderem, das beinahe an ehrlichem Unverständnis grenzte. „Nun bin ich aber beruhigt“, sagte er. „Frau Isaé erlaubt Euch, Euren Glauben zu behalten.“ Isaé presste für ihre Lippen aufeinander um die aufkeimende Wut zu ersticken. „Ich erlaube ihm gar nichts.“ „Ach nein?“ fragte er gedehnt und die Hexenjägerin funkelte ihn an.  „Nein.“ Gawaïn ließ den Schlauch langsam sinken. „Dabei klang es gerade noch sehr danach.“ Isaé hielt seinem Blick stand. „Dann habt Ihr anscheinend nicht richtig zugehört.“ Etwas regte sich in seinem Gesicht und Isaé wusste, dass sie vernünftigerweise den Mund halten sollte. Leider war Vernunft noch nie eine ihrer Stärken gewesen, besonders, wenn jemand sie von oben herab behandelte. „Was er glaubt, ist seine Sache“, sagte sie. „Nicht meine. Und auch nicht Eure.“ Gawaïns Brauen hoben sich ein wenig. „Eine bemerkenswerte Einstellung für eine Frau, die ihm gerade vorgeschrieben hat, was er zu glauben hat.“ „Ich habe ihm nicht vorgeschrieben, woran er glauben soll.“ „Nur, dass er es weiterhin tun soll.“ Isaé wollte bereits antworten, doch Gawaïn war schneller. „Aber, Frau Isaé…“ Dabei sprach er ihren Namen auf eine Weise aus, die Isaés ohnehin mühsam beherrschten Zorn erneut anzufachen vermochte. „…woran glaubt Ihr?“ Da blickte sie ihn überrascht an und schwieg einen Augenblick. Dann zuckte sie mit einer Schulter. „An keinen Gott.“ Gawaïn sah sie an. Sein Gesicht veränderte sich zunächst überhaupt nicht. Dann doch. „An keinen“ wiederholte er beinahe ungläubig und Isaé schüttelte langsam den Kopf. „Nein.“ Sein Blick wanderte langsam zu Entaro. Isaé konnte freilich nicht erraten, was ihm durch den Kopf ging. Eine Fremde. Eine Frau aus Ariad. Nicht von Adel. Ohne Haus, ohne namhafte Familie, ohne einen eigenen Namen, der in Akadien irgendein Gewicht besaß. Keine Gelehrte, keine Frau, deren Tod einen Fürsten zum Schwert greifen oder einen Vater nach Vergeltung rufen lassen würde die man auch ernstnehmen würde. Und nun auch noch ohne Glauben. Gawaïns Blick kehrte zu Isaé zurück und plötzlich zog ein hämisches Grinsen über seine Mundwinkel. „Warum wundert mich das nicht?“ sagte er schließlich. Isaé runzelte die Stirn. Es war die Art, wie er es sagte. Als hätte sie ihm lediglich bestätigt, was er ohnehin von ihr erwartet hatte. „Was soll das heißen?“ fragte sie ihn. „Nichts weiter, Frau Isaé…“ „Das klang aber nicht nach nichts.“ Ser Gawaïn sah sie eindringlich an „Es bedeutet lediglich, dass ich Ser Aduns Beweggründe mit jedem Augenblick weniger verstehe.“ Isaé spürte, wie sich etwas in ihr verhärtete. „Dann fragt ihn doch.“ „Das habe ich doch bereits.“ Gawaïn sah wieder zu Entaro. „Und seine Antwort war ausgesprochen aufschlussreich.“ Isaé wusste in diesem Augenblick nicht ganz, worauf er hinauswollte. „Ein Bernsteinritter“, fuhr Gawaïn ruhig fort, „der bereit wäre, seinem Glauben abzuschwören.“ Sein Blick glitt wieder zu ihr. „Für Euch.“ Isaé sagte nichts. „Ich gestehe“, sagte er, „ich versuche noch immer zu verstehen, weshalb.“ Fast neugierig betrachtete er die Hexenjägerin. Als wäre Isaé irgendein unscheinbarer Gegenstand, den jemand für einen ungeheuren Preis erworben hatte, und Gawaïn versuchte nun herauszufinden, welchen verborgenen Wert er übersehen hatte. Sein Blick wanderte über sie hinweg, von den abgetragenen Stiefeln bis zu ihrem Gesicht. „Ihr besitzt keinen Namen, der hier etwas bedeutet. Kein Haus. Kein Land. Keine Familie, die hinter Euch steht.“ Er hielt kurz inne. „Nicht einmal seinen Glauben teilt Ihr.“ Jetzt lag die Verachtung offen in seiner Stimme. Isaés Kiefer spannte sich an und ihre Finger zerquetschen das Stück Brot in ihrer Hand. Gawaïn schien es zu bemerken. „Und dennoch würde er für Euch etwas fortwerfen, das seit Generationen zu Männern seines Standes gehört.“ Seine Augen verengten sich. „Versteht Ihr das?“ Isaé sah ihn lange an. Dann senkte sie den Blick auf das Stück Brot in ihrer Hand und überlegte eine Weile, bevor sie ihn wieder ansah und ihm antwortete. „Nein.“ Gawaïns Brauen hoben sich belustigt „Nein?“ Isaé zuckte die Schultern. „Nein.“ Sie zog ein Knie an und legte die gefesselten Hände darauf. „Und genau deshalb wird er es nicht tun.“ Gawaïn schwieg. Isaé blickte kurz zu Entaro. Als sie wieder zu Gawaïn sah, war aus dem Trotz in ihrem Gesicht etwas anderes geworden. „Wenn Ihr uns deshalb hierhergebracht habt, habt Ihr Euch verrechnet.“ Das schmale Lächeln verschwand aus Gawaïns Gesicht. „Ach ja?“ „Wenn Ihr glaubt, Ihr könnt mich auf die eine Seite stellen und seinen Glauben auf die andere, bis er sich entscheiden muss, dann könnt Ihr Euch die Mühe sparen.“ Gawaïns Blick wurde schärfer. Isaé spürte Entaro neben sich. Sie wusste nicht, was er von ihren Worten hielt. Im Augenblick wollte sie es auch nicht wissen. „Ihr habt gesagt, wenn Ihr mir die Kehle durchschneidet, kräht morgen kein Hahn danach.“ Isaé hob das Kinn. „Vielleicht habt Ihr sogar recht.“ Sie sprach die Worte ohne Bitterkeit aus. „Ich habe kein Haus. Keinen Vater, der Männer schickt. Keinen Bruder, der Euch fordert. Keinen Herrn, der wegen meines Blutes einen Krieg anfängt.“ Sie zuckte die Schultern. „Na und? Nicht jeder im Leben ist dazu ausersehen, zu etwas größerem geboren zu werden. Wenn wir alle von Adel wären, wer machte dann die Drecksarbeit? Aber wenn Ihr glaubt, dass Euch das Macht über mich gibt, irrt Ihr Euch.“ Gawaïn musterte sie. „Und wie wollt Ihr das verhindern?“ Isaé antwortete nicht sofort. Sie spürte das kalte Eisen um ihre Handgelenke. Den rauen Stein in ihrem Rücken. Weiter unten lag Svar Drauga, und noch immer hatte sie nicht den geringsten Begriff davon, was Svar Drauga eigentlich war. Imoëls letzte Worte schienen noch immer zwischen den Bäumen zu hängen. Berührt nichts. Egal, was auch geschieht... Isaé sah Gawaïn an. „Ihr habt mir doch selbst erklärt, wie wenig mein Leben wert ist. Dann solltet Ihr nicht darauf wetten, dass ich es plötzlich für kostbar halte, nur weil Ihr mir mit einem Messer droht.“

Gawaïn musterte sie, und etwas Spöttisches trat in seine Züge. „Das werden wir sehen. Große Worte führen sie alle, solange die Klinge noch in der Scheide steckt. Wenn es darauf ankommt, liegen sie alle auf den Knien und betteln um ihr wertloses Leben. Ihr haltet Euch für ziemlich furchtlos.“ Isaé antwortete ohne Zögern. „Nein. Ich weiß, wie sich Angst vor dem Tod anfühlt.“ Für einen Augenblick schwieg sie. Ihr Blick blieb fest auf dem Mann vor ihr gerichtet. „Aber ich habe Hera, die heilige Hure, getötet. Ich habe dem eisernen Schinder gegenübergestanden und bin trotzdem noch hier.“ Ihre Stimme blieb ruhig, trotzdem hatte sie mit Stolz gesprochen. „Wer seid Ihr also, dass Ihr glaubt, ausgerechnet Ihr könntet mir Angst machen?“ Etwas in Gawaïns Gesicht veränderte sich. Doch das spöttische Lächeln blieb. „Wer ich bin?“ Er ließ die Frage einen Moment zwischen ihnen stehen. Dann trat er einen Schritt näher. „Mein Bruder hat Euch aus den Grenzlanden zurückgebracht.“ Isaé konnte die Überraschung in ihrem Gesicht nicht verbergen. Gawaïn bemerkte es. „Ach.“ Nun kehrte das Lächeln deutlicher zurück. „Das hat Ser Adun Euch also nicht erzählt.“ Sein Blick glitt für einen kurzen Augenblick zu Entaro und wieder zurück. Isaé rührte sich nicht. „Ser Tarvain ist mein Bruder.“ Isaé sah ihn einige Herzschläge lang an. Dann wanderte ihr Blick beinahe unwillkürlich zu Entaro. Tarvains Bruder? Das konnte doch nicht wahr sein. Für einen Augenblick herrschte vollkommene Stille. Dann klatschte Gawaïn in die Hände. „Auf die Beine, Männer, die Rast ist zu Ende!“
Dinge die waren und Dinge die sind ❖
drache-obgleich die Ruine bereits unter ihnen lag, war der Weg bis zu ihren Mauern noch ein gutes Stück. Gawaïn setzte sich schließlich in Bewegung, und seine Männer trieben die beiden Gefangenen vor sich her. Der Pfad führte in sanftem Gefälle den Hang hinab. Einst musste hier eine breite, sorgfältig angelegte Treppe zum Heiligtum geführt haben, doch von ihrer einstigen Pracht war kaum mehr etwas geblieben. Zwischen den überwucherten Stufen wucherten Grasbüschel, Dornengestrüpp und die knorrigen Wurzeln alter Bäume. Mancherorts fehlten ganze Abschnitte, andernorts waren die Steine geborsten oder wie von gewaltigen Hieben abgeschlagen. Lose Trümmer erschwerten den Abstieg, und mehr als einmal mussten sie den Weg verlassen, um ein unpassierbares Stück der alten Treppe zu umgehen. Es war bereits Nachmittag, als sie endlich den Fuß des Hanges erreichten. Die Sonne stand inzwischen tief genug, um die zerfallenen Mauern des einstigen Heiligtums in lange, finstere Schatten zu kleiden, die sich vor der roten Sonne dunkel abzeichneten. Über den verwitterten Stein und das dürre Gras krochen sie wie schwarze Krallen, während die gezackten Überreste eingestürzter Bögen an die Zähne eines ungeheuren Raubtiers erinnerten.

Svar Drauga empfing seine Besucher mit weit aufgerissenem Schlund. Wo einst prächtige Tore in das Innere des Heiligtums geführt hatten, gähnte nun ein dunkler Durchgang. Über ihm ragten geborstene Steinquader hervor, und zu beiden Seiten reckten sich die zerbrochenen Säulen wie verkrümmte Finger gegen das schwindende Licht. Gawaïn hielt sich nicht lange mit der Betrachtung auf, denn dies war nicht sein erster Besuch an diesem Ort. Mit einer knappen Handbewegung bedeutete er seinen Männern, die Gefangenen weiterzuführen. Ihre Schritte hallten dumpf zwischen den alten Mauern wider, als sie die Schwelle überschritten. Als sie die Schwelle überwunden hatten, blieb GawaIn unvermittelt stehen. Er hob seine linke Hand und deutete auf Isaé und Entaro.  »Nehmt ihnen die Fesseln ab.« Einer seiner Männer trat an Entaro heran, ein anderer kümmerte sich um Isaé. Die eisernen Schlüssel kratzten an den alten Schlössern ihrer Ketten und das Klicken der ebenso alten Mechanismen darin ließ die Eisen aufgehen, wie Blumen im Morgenlicht. Entaro rieb sich seine Handgelenke, die schon rötliche Wundstellen aufwiesen und hob dabei den Blick um die altertümliche Architektur der Ruine zu bewundern. Über dem Tor, unter dessen Schatten sie standen, stand eine alte Inschrift. Sie war verwittert und in einer alten Sprache, die Entaro nicht lesen konnte. Er fragte sich ob Imoël wohl wusste, was hier geschrieben stand. Doch die seltsame, geheimnisvolle Frau war nirgends zu sehen. Sie hatte gesagt, dass sie diesen Ort nicht betreten kann. Und doch fragte sich Entaro, ob sie vielleicht einfach nur Angst vor diesem Ort hatte? Er erinnerte sich an die seltsame Begegnung in der Dämmerwelt. An jene Imoël vergangener Tage, und das unbekannte Schicksal, welches sie mit diesem Ort zu verbinden schien. »Augen geradeaus.«, bemerkte Gawaïn trocken. »Ihr werdet eure Hände noch brauchen, also achtet darauf, wohin ihr tretet.« Entaros Blick wanderte über die verwitterten Wände und die Überreste jener Steinmetzarbeiten, die selbst nach Jahrhunderten des Verfalls noch von der einstigen Bedeutung dieses Ortes zeugten. GawaIns Männer hatten indes einige alte Laternen aus den Taschen gezogen. Sie schickten sich an diese zu entzünden, während Entaro und Isaé die alten Gemäuer in Augenschein nahmen. »Was ist an diesem Ort?«, erkundigte sich Entaro. »Warum habt ihr uns hierher geführt. Und was werden wir hier finden?« Gawaïn lächelte stumm. Stattdessen trat er einen Schritt zurück und ließ den Blick aufmerksam auf seinen beiden Gefangenen ruhen. Er verschränkte die Arme vor der Brust und seufzte. »Dieser Ort offenbart sich jedem auf andere Weise.« Sein Blick wanderte zu Entaro. »Es ist ein Ort uralter Geheimnisse.« Dann wandte er sich Isaé zu. »Und ein Ort des Glaubens. Das werdet ihr schon bald feststellen, Frau Isaé. Und dann werden wir ja sehen, ob eure Worte und das, was ihr tief im Herzen tragt, miteinander im Einklang sind.«

Schon beim Betreten des Tempels bemerkt man kleine Unstimmigkeiten. Die Flammen der Fackeln flackerten und wirkten deutlich schwächer, als noch an der Schwelle selbst. Gelegentlich zuckt ein violetter Schimmer durch das Rot. Und die Geräusche wirken gedämpft, Entfernungen schwerer einzuschätzen. Es schien, als ob dieser Ort die alten Zeiten überdauert hätte und ein Teil davon noch immer an diesem Ort gebunden war. Nachdem sie die alten Stufen in die steinerne Senke hinter sich gebracht hatten, führte Gawaïn sie durch einen schmalen Torbogen, hinein in die Ruine. Das Licht war schummrig. Die Luft war alt und es roch nach Staub und altem Stein. Die Wände waren trocken, soweit man das sagen konnte, ohne sie zu berühren. Doch ihnen haftete ein eigentümliches Gefühl an. Mit jedem Schritt den man tat, bekam man das beklemmende Gefühl, als ob sich die Wände ihnen nähern würden. Nach einiger Zeit wurde es immer dunkler. Nicht, weil die Ruine bar jeden Lichtes war. Es waren die Lichter der Laternen, die nach und nach an Kraft verloren. Entaro stolperte über einen aus dem Boden ragenden Stein. Er versuchte noch, das Gleichgewicht zu halten, doch sein Fuß rutschte auf dem losen Geröll weg. Mit ausgestreckter Hand fing er sich an einer schmalen Mauernische ab. Seine Finger berührten Glas und glitten über die scharfe Bruchkante hinweg. Ein eigentümliches Kribbeln durchfuhr seine Hand. Und plötzlich war das Dunkel verschwunden. Entaro stand in einer gewaltigen Halle. Er wandte den Blick zurück, doch Isaé und all die anderen waren fort. »Isaé«, murmelte Entaro misstrauisch. Doch er erhielt keine Antwort.

Hohe, schlanke Arkaden trugen ein kunstvoll gearbeitetes Gewölbe, dessen Bögen sich weit über seinem Kopf vereinten. Zwischen den Säulen erhoben sich prächtige Fenster aus vielfarbigem Glas. Das Licht der tief stehenden Abendsonne fiel schräg durch sie hindurch und ergoss sich in langen, leuchtenden Bahnen über den polierten Steinboden. Rot, Bernstein und tiefes Violett verschmolzen zu einem wunderbaren Spiel aus Licht und Schatten. Erst auf den zweiten Blick bemerkte Entaro, dass die Muster keineswegs zufällig waren. Die Schatten der Säulen, die farbigen Lichtbahnen und die Linien im Boden fügten sich zu einer gewaltigen geometrischen Figur zusammen. Kreise, Strahlen und Zeichen, deren Bedeutung er nicht verstand. Es erinnerte ihn entfernt an eine Sonnenuhr, nur dass diese nicht auf einem Platz stand, sondern den gesamten Tempel auszufüllen schien. Sein Blick wandte sich zu den Fenstern empor. Das Licht brach sich in den dutzenden Facetten der einzelnen, gläsernen Mosaike und erzeugten so das eigentümliche Lichtspiel auf dem Boden und auch an den Wänden.

Dann vernahm er Stimmen. Entaro fuhr herum in der Erwartung Isaé, oder Gawaïn und seine Männer zu sehen. Doch die Stimmen rührten von einer gänzlich anderen Quelle her. Zwischen den Arkaden bewegten sich Menschen. Männer und Frauen in langen Gewändern, manche allein, andere in kleinen Gruppen. Ihre Gestalten waren seltsam undeutlich, als betrachtete er sie durch einen dünnen Schleier oder verschwommenes, altes Glas. Eine Frau ging dicht an ihm vorüber. Ihre Lippen bewegten sich, doch die Worte blieben unverständlich, denn sie sprach in einer Sprache die Entaro nicht verstand. Er streckte die Hand nach ihr aus doch sie glitt einfach durch sie hindurch und kurz darauf löste sie sich auf, wie Rauch oder Nebel, der von einem Windhauch erfasst worden war. Dann zuckte ein Schatten über die Fenster. Das Licht erlosch, wie bei einer Sonnenfinsternis. Die Stimmen verstummten. Entaro taumelte zurück und wieder standen die geborstenen Mauern vor ihm.  Dort, wo eben noch das prächtige Fenster gewesen war, klaffte eine dunkle Öffnung im Mauerwerk zu dessen Füßen sich dutzende, bunte Glassplitter aufhäuften. Unter seinen Fingern lag eine schmutzige Glasscherbe, an der ein einzelner Tropfen Blut herablief. »Entaro!« Isaés Stimme ließ ihn zusammenfahren. Für einen Moment schien Isaé etwas sagen zu wollen. Dann senkte sie den Blick auf die Scherbe und auf Entaros Hand, die noch immer darauf ruhte.

Die Gruppe drang schließlich tiefer in die Ruine des einstigen Heiligtums vor. Die Luft ist abgestanden, die Mauern wurden zunehmend feuchter und kühler. Man konnte einzelne Wassertropfen an den Wänden erkennen, die wie gläserne Perlen an den Wänden hingen. Manche von ihnen zu weißem Kalk erstarrt. Manche Wände bargen dunkles Moos, das selbst in diesem Zwielicht gedieh. Andere schienen sich zu bewegen. Doch bei näherem Hinsehen konnte man erkennen, dass es ein dünnes Rinnsal war, welches die alten Steine herunter sickerte. Zwischen den verfallenen Säulen herrscht eine bedrückende Stille, die nur gelegentlich vom Knirschen der Schritte und dem Knistern der tanzenden Flammen in den Laternen unterbrochen wurde. Das Licht der Laternen hatte sich inzwischen ein wenig verändert. Entaro kniff die Augen zusammen. Der Schein an den Wänden war nicht mehr von rötlicher Natur. Es war durchsetzt mit blauen und violetten Nuancen, die man in der Flamme selbst kaum wahrzunehmen vermochte. »Was geschieht an diesem Ort? Er wirkt so befremdlich.«, murmelte Entaro und erntete von Gawaïn einen wissenden Blick. »Das werdet ihr noch früh genug erfahren, Ser Adun.« Die Dunkelheit scheint sich in den Seitengängen zu sammeln. Das Fackellicht reicht kaum aus, um die Umrisse der alten Architektur zu erkennen. Doch was man erkennen konnte, versetzte Entaro immer mehr in Staunen. Dieser Ort war einst ein Ort voller Wunder und Licht gewesen. Doch heute war davon nicht mehr viel geblieben. Nur das Licht der Fackeln, die eigentümliche Farben an die Wände warfen. War es der Stein selbst, der das Licht vergangener Zeiten in sich aufgenommen hatte, oder veränderte dieser Ort die Flammen selbst?

Die Gruppe erreicht eine Gabelung. Mehrere Gänge führen tiefer in das Heiligtum. Jeder einzelne Gang endete in schier endloser Leere, als ob die Dunkelheit darin unendlich zu sein schien. Wie gähnende Münder öffneten sich die Gänge vor ihnen und die Männer verharrten einen Augenblick. Gawaïn räusperte sich, doch er sagte kein Wort. Es schien, als ob er sich zu erinnern versuchte, welcher Gang der richtige war. Entaro indes widmete sich Isaé, die mit einem Mal einen seltsamen Ausdruck im Gesicht trug. »Isaé? Was ist los?« Die Hexenjägerin öffnete den Mund, doch ihre Worte waren nur ein andächtiges Flüstern. »Hörst du das auch?«, raunte sie. Entaro lauschte in die Stille der Dunkelheit. Doch mit Ausnahme des Atems der Männer, dem Knistern der Flammen und einem gelegentlichen Tropfen, der auf nackten Stein fiel, konnte Entaro nichts anderes vernehmen. »Was meinst du?« »Stimmen. Sie scheinen aus den Wänden zu kommen. Sie sind überall, als ob dutzende Menschen zugleich sprechen würden.« Entaros Blick glitt an Isaé hinab. Sie hatte ihr Flüsterholz nicht bei sich. Doch vielleicht war es dennoch eine Gabe dessen. »Ich höre keine Stimmen.«, murmelte Entaro, doch Isaé hob den ausgestreckten Zeigefinger, als würde sie ihm bedeuten zu Schweigen, damit sie die Worte besser verstehen konnte. »Was sagen die Stimmen?«, flüsterte Entaro so leise er es vermochte.

»Isaé«, drang eine säuselnde Simme durch die Luft, als ob sie ein Blatt im Wind wäre, das sanft durch die Dunkelheit getragen wurde. Ein seltsames Geräusch erfüllte die Luft, als würde der Wind durch die Ritzen des Mauerwerks streichen. »Isaé.« Da horchte Entaro auf, ihm war, als ob er etwas gehört hätte. Doch er hatte nichts verstanden. Nur ein seltsames Geräusch, dass in der Luft hing. »Jemand hat meinen Namen gesagt.«, entgegnete Isaé. »Isaé« Eine andere Simme wiederholte den Namen. »Isaé« Bald schienen mehrere Stimmen aus verschiedenen Richtungen zugleich zu flüstern. Mal ganz nah, dann wieder weit entfernt. Plötzlich erloschen die Laternen. Eine nach der anderen versiegte und die Flamme erstarb, bis die Gruppe schließlich von der Dunkelheit der Ruine umfangen wurden. »Scheiße.«, zischte einer der Lakaien und schüttelte seine Laterne. »Das darf doch nicht wahr sein.« Aus einem der angrenzenden Räume schimmerte ein schmaler Lichtschein. Es war einer jener Gänge, die zuvor noch in absoluter Finsternis gelegen hatten. Durch einen Bruch in der Decke drang spärlich das letzte Abendlicht herein und beleuchtet ein altes steinernes Wasserbecken. Der Raum liegt weitgehend im Schatten. Nur das Becken scheint vom Licht geradezu hervorgehoben zu werden. Und dann wurde es still. Die Stimmen verstummten.

Entaro näherte sich dem alten Wasserbecken. Das Wasser ist klar und vollkommen ruhig. Der Raum war größer, als es zunächst den Anschein erweckt hatte. Man erkannte steinernen Grund der einst einmal prächtig gewesen sein musste. Die Umrisse der beschädigten Kuppel verloren sich in der Dunkelheit, doch das Loch in der Decke, durch welches das Licht hereinfiel, bildete einen starken Kontrast zu der ansonsten beklemmenden Dunkelheit. Entaro hob den Kopf über das alte Becken. Das Wasser darin war dunkel und das Licht ließ es förmlich schimmern, als ob das Wasser aus eigener Kraft von einem inneren Schein erfüllt worden wäre. Isaé hob nun ebenfalls den Kopf über das Becken. Sie sah das Spiegelbild der Säule und der seltsam anmutenden Statue daneben im Wasser. Doch ihr eigenes Spiegelbild konnte sie nicht sehen. Ein Raunen erfüllte den Raum. Als ob ein Luftzug durch die Kammer streifte. »Isaé« Die Hexenjägerin trat von dem Wasser zurück. Entaro hingegen, der die Stimmen nicht vernahm, starrte nachdenklich auf die alte Statue, die vor dem Brunnen zu knien schien. »Schließe deine Augen…Trink.« Erschallte eine zweite, sanftere Stimme. Sie wirkte beinahe freundlich und wohlgesonnen.

Entaro ließ seine Blicke von der Statue hinabwandern, in das Becken. Es lag still und unbewegt da und zwei müde, graue Augen starrten ihm aus dem Wasser entgegen. Er berührte sein Gesicht und das Spiegelbild im Wasser tat es ihm gleich. Entaro beugt sich etwas näher an das Wasser heran und schloss dann die Augen. Als er sie wieder öffnete, war sein Spiegelbild noch immer da und er seufzte. »Dieses Becken.«, murmelte Entaro nachdenklich. »Es erinnert mich an einen alten, religiösen Brauch.« Er begann in seiner Tasche zu kramen, während er sich Isaé zuwandte. »Man kann derlei Becken oft in alten Ruinen in Kalath finden. Es muss ein alter Brauch gewesen sein, bevor das Land dem Verfall anheim gefallen war.« Isaé hingegen wagte einen neuerlichen Blick in das Becken. Doch wie auch schon beim letzten Mal, konnte sie ihr eigenes Spiegelbild nicht sehen. »Viel ist nicht über diesen alten Brauch überliefert. Aber es scheint, als ob Gläubige einst dort in das Becken blickten, um ihre Sünden zu erkennen und ihren Glauben zu prüfen. Anschließend warfen sie eine Münze hinein und sprachen ein Gebet oder äußerten einen Wunsch. So genau weiß ich das nicht.« Er zuckte mit den Schultern und als er seine Hand wieder aus der Tasche zog, hielt er eine kleine, abgegriffene Kupfermünze zwischen Daumen und Zeigefinger. »Man sollte an einem Ort wie diesen, die alten Bräuche ehren.« Er warf die Münze in das Becken und das Wasser nahm sie mit einem dumpfen Geräusch an sich. Ein Gebet sprach er nicht. Wellen begannen sich in sanften Kreisen auf der Oberfläche auszubreiten. Und dann veränderte sich das Spiegelbild.  Entaros Spiegelbild begann sich zu verändern. Immer wieder zerfloss es und formte sich neu. Es veränderte seine Gestalt und vervielfachte seine Züge, nur um kurz darauf wieder ein perfektes Spiegelbild von ihm zu offenbaren. Und dann, mit einem Mal, erschien auch Isaés Spiegelbild neben ihm. Nur für den Hauch eines Momentes. Doch als das Wasser sich wieder beruhigte, da war es auch schon wieder verschwunden und nur Entaros Abbild war zu sehen.  »Man sagt, wer stark im Glauben ist, kann die Wahrheit sehen. Wer nichts sieht, der ist vom Weg abgekommen.« Entaro zuckte mit den Schultern. »Wenn du mich fragst, ist das alter Aberglaube.« Er entfernte sich von dem Wasserbecken, doch Isaé schien noch einen Augenblick verweilen zu wollen. Bis schließlich schwere, knirschende Schritte die Stille durchbrachen. Die Schritte hallten von den Wänden wider und mit jedem Mal knirschten kleine Steine und Staub, der kaum merklich aufgewirbelt wurde. Gawaïn erschien am Eingang der Seitenkapelle und sein Gesicht wurde vom Lichtschein umrahmt. Sein Blick streift das Wasserbecken und dann wandte er sich Entaro und Isaé zu. »Genug Zeit vertrödelt. Die Laternen leuchten wieder. Kommt.« Er winkte Isaé und Entaro mit einem Nachdruck zu sich, der keinen Widerspruch duldete. »Dieser Ort ist verlassen. Hier gibt es keinen Glauben zu finden. Nur Lügen.« Entaro seufzte, was Gawaïn mit einem flüchtigen Blick erwiderte. »Habt ihr etwas zu sagen, Ser Adun?« Der Bernsteinritter verschränkte die Arme vor der Brust. »Wohin führt ihr uns? Was ist dieser Ort?« Da lächelte Gawaïn. »Das werdet ihr schon sehen.« Da schnaubte Entaro mürrisch. »Das ist alles, was ihr zu sagen habt. Wir werden schon sehen? Glaubt ihr, eure Geheimniskrämerei wird uns am Ende mehr die Augen öffnen, als wenn ihr gleich mit offenen Karten spielt?« Da zuckte Gawaïn die Achseln. »Es gibt Dinge, die muss man gesehen haben, bevor man sie glauben kann. Und der Ort, wohin wir gehen, ist ein solcher Ort. Dort wird euer Glaube sich offenbaren, und nicht hier, in diesem alten Steinbecken.« Seine Hand legte sich langsam um den Knauf seines Schwertes. »Kommt jetzt.« Seine Stimme hatte sich verändert. Bestimmender und befehlender. Er duldete keinen Widerspruch und auch keinen weiteren Aufschub mehr. »Die Zeit drängt. Wir müssen diesen Ort wieder verlassen, bevor die Nacht hereinbricht. Und unser Weg ist noch nicht am Ende.« Er legte Entaro die Hand auf die Schulter und bugsierte ihn zurück aus der Kammer. »Ihr auch, Isaé.« Er ließ es sich nicht nehmen ihren Namen auf eine spöttische, beinahe höhnende, Weise zu betonen.

Als sie die Kammer hinter sich gelassen hatten und zurück in den Schein der Laternen traten, war es still geworden. Keine Stimmen. Keine seltsamen Geräusche. Nur das eigentümliche Atmen der Ruine, die hier schon seit tausenden Jahren stand. Gelegentlich vernahm man ein seltsames Kratzen, als ob Krallen über die steinernen Böden huschten. Oder ein Knirschen, als ob Zähne an Steinen nagten. »Was ist das?«, flüsterte Entaro. Gawaïn zog sein Schwert. »Nun. Das ist einer der Gründe, warum wir vor Einbruch der Nacht die Ruine verlassen müssen.« Ein paar schimmernder Augen huschten durch die Dunkelheit vor ihnen. Doch als das Licht der Laternen die Schatten bannte, da huschte die Kreatur zurück in die schützende Dunkelheit. »Düsterlinge.«, brummte Gawaïn mürrisch. »Sie hausen hier, doch meistens gehen sie einem aus dem Weg.« Entaro hielt inne. »Düsterlinge?« Instinktiv griff er nach seinem Schwert, doch musste ernüchternd feststellen, dass es sich nach wie vor in Gawaïns Obhut  befand. »Gebt mir mein Schwert.« befahl Entaro doch Gawaïn begann amüsiert zu lachen. »Habt ihr Angst, vor ein paar kleinen Schattenschleichern?« Er schüttelte den Kopf. »Ihr erhaltet eure Klinge zu gegebener Zeit. Und keinen Augenblick früher.«
Von alten Gefährten ❖
drache-der Regen hatte gegen Abend aufgehört, doch das Holz war noch feucht, und der Rauch wollte nicht recht abziehen. Ein altes Krähennest, das einst auf dem Rand des Rauchfangs errichtet worden war, war über die Jahre in sich zusammengesackt und schließlich in den Schacht gerutscht. Dort versperrte es dem Rauch nun den Weg, sodass sich ein guter Teil davon in der verlassenen Köhlerhütte sammelte und den Männern in Augen und Kehlen kroch. Jorek hatte bereits zweimal geflucht, weil ihm die Augen tränten, und ein drittes Mal, weil Falk darauf bestanden hatte, das Feuer müsse mit drei Scheiten zugleich angefacht werden. “Warum überhaupt drei, Falk, verdammt nochmal? Kein Mensch macht das so!“ Er strich sich mit der breiten Hand über den kurz geschorenen Schädel und betrachtete missmutig die Feuerstelle. Er war der Grobian der Hexenjägergruppe und selbst im Sitzen hatte er etwas von der strammen Haltung behalten, die ihm seine Jahre als Soldat beigebracht hatten. Der Angesprochene zuckte die Schultern und setzte ein wissendes Lächeln auf. “Drei Scheite, eins für jede der Göttinnen” erklärte Falk und sein Tonfall verriet, dass er aus völliger Überzeugung sprach. Falk richtete sich zu seiner vollen, etwas schlaksigen Größe auf. Er war der Jüngste unter den Männern, hatte dichtes, struppiges Haar das so blond war wie ein Weizenfeld und stieg stets auf Joreks Provokationen ein. „Drei Scheite, die nur einen Haufen Rauch verursachen“, erwiderte Jorek und spuckte in das fragwürdige Feuer. „Vielleicht erbarmt sich die Vierte und macht den verdammten Rauchfang frei.“ „Es gibt keine Vierte“, stellte Falk mit vollkommenem Ernst fest. „Es gibt nur drei Göttinnen. Darum heißen sie auch ‚Die Drei‘…“ „Dann wird’s wohl Zeit für eine vierte. Eine, die sich beispielsweise um verstopfte Rauchfänge kümmert.“ „Du kannst doch nicht einfach eine Göttin dazuerfinden!“ „Warum nicht? Irgendwer muss ja die Arbeit machen, für die deine Drei offenbar zu fein sind.“ „Die Drei sind nicht dafür da, um deinen Rauchfang zu putzen!“ hielt Falk dagegen. „Meinen? Ist das jetzt mein Rauchfang? Dann kannst du deine drei Scheite gleich wieder aus meinem Rauchfang rausnehmen.“ Isaé musste kichern, während Arved, der auf seinem Fass saß und einen Riss in seinem Lederwams nähte, nicht einmal den Kopf hob. Er war der Älteste und Erfahrenste der Gruppe. Ein wettergegerbter, etwas mürrischer Mann mit trockenem Humor, der die Männer mit Autorität führte und sich selten von ihrem Gezänk aus der Fassung bringen ließ. Sein Haar, welches er zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden trug, war mit vielen grauen Strähnen durchzogen, wie es bei seinem Kinnbart ebenso der Fall war. Er mochte seinen Backenbart nicht und darum führte er stets ein scharfes Messer mit sich herum, mit dem er sich diesen stets penibel rasierte. „Falk“, sagte er schließlich. „Was?“ „Rauf aufs Dach.“ Falk starrte ihn an. „Warum?“ „Weil ich gern wissen möchte, ob du von dort oben ebenso viel Unsinn redest wie hier unten. Nimm eine Stange mit und stocher die verdammte Ursache aus dem Rauchfang. Sonst sind wir am Abend geräuchert, wie Speck.“ „Warum ich?“ „Weil Jorek mittlerweile zu fett und damit zu schwer ist, Marten sein Knie schonen muss und ich gerade mein Wams flicke.“ „Und Isaé?“ hakte Falk nach. Arved hob endlich den Kopf. „Soll ich das Mädchen aufs Dach schicken, während du dir hier unten den Arsch wärmst?“ Jorek grinste und überging sogar die Beleidigung Arveds. „Die Junge wird dich schon halten, Falk. Vielleicht sind dir sogar alle drei Göttinnen gewogen.“ Falk bedachte ihn mit einem Blick, der wenig Gutes verhieß, griff sich eine lange Stange und stapfte hinaus. Eine Weile später hörten sie ein kratzen und ein schleifen, was Falks Schritte auf dem Dach waren. Etwas schabte über die Schindeln, dann ertönte ein dumpfes Poltern. „Seid ihr sicher, dass das Dach hält?“, rief Falk von oben. „Wenn nicht, wirst du’s gleich wissen!“, brüllte Jorek zurück und grinste danach. Es begann im Rauchfang zu kratzen, ein wenig schwarzer Staub rieselte in die Feuerstelle. „Na also“, sagte Jorek zufrieden. „Geht doch.“ 

Dumpfe Schläge ertönten durch den Rauchfang, zweimal, dreimal viermal und dann gab es einen dumpfen Ruck. Im nächsten Augenblick fiel das alte Krähennest durch den Rauchfang. Ein Gewirr aus morschen Zweigen, Federn und bröckelndem Lehm stürzte in die Feuerstelle und wirbelte eine gewaltige Wolke aus Ruß und Asche auf. Jorek, der sich gerade vorgebeugt hatte, bekam die volle Ladung ab. Isaé kreischte auf und riss die Arme vors Gesicht, während Marten hustend von seinem Schemel sprang. Arved blieb sitzen. Zumindest so lange, bis die schwarze Rußwolke auch ihn erreichte. „Verdammt noch mal!“ schimpfte er hustend, und seine ohnehin raue Stimme war nun noch rauer, und von oben ertönte Falks Stimme. „Ist er frei?“ Niemand antwortete. „He! Ist der Rauchfang jetzt frei?“ Der dicke Jorek stand mitten in der Hütte. Sein Gesicht war bis auf zwei helle Stellen um die Augen vollkommen schwarz. Ruß hing in seinem Bart, auf seinen Schultern und an den Ohren. Er spuckte aus und betrachtete den schwarzen Speichel auf dem Boden. „Falk!“ „Was denn?“ rief dieser vom Dach. „Wenn du da runterkommst, bring ich dich um!“ „Jaja! Aber kann mir jetzt jemand vielleicht sagen, ob der Rauchfang frei ist?“ Isaé hatte sich inzwischen wieder aufgerichtet. Ihre Haare, und ihr Gesicht waren ebenfalls voller Ruß, und als sie Jorek ansah, musste sie plötzlich heftig lachen. „Du siehst aus wie ein Köhler!“ „Wir sitzen in einer verlassenen Köhlerhütte, du neunmalkluges Gör! Und hast du dich eigentlich schon mal betrachtet, bevor du auf mich zeigst?“ Marten versuchte, sich den Ruß aus dem Gesicht zu wischen, und verschlimmerte damit alles nur noch. Arved betrachtete schweigend sein eben erst geflicktes Wams, über das sich eine feine schwarze Schicht gelegt hatte. Dann hob er langsam den Blick zum Rauchfang, durch den der Qualm nun endlich nach oben zog. „Falk!“ rief er. „Ja?“ antwortete dieser vom Dach. „Er ist frei.“ Eine kurze Pause entstand. „Seht ihr!“, rief Falk triumphierend. „Die Drei haben uns geholfen!“ Jorek schloss die Augen. „Ich schwöre bei der Vierten…“ murmelte er, „…ich erschlag ihn.“ Über ihnen polterte es erneut. Falk hatte die Stange vom Dach geworfen und versuchte offenbar, herunterzukommen. Einen Augenblick später schabte etwas über die Schindeln, gefolgt von einem erschrockenen Fluch. Dann rutschte Falk mit einem gewaltigen Gepolter die Dachschräge hinunter und landete unsanft im aufgeweichten Erdreich neben der Hütte. Isaé fuhr zusammen, während Jorek den Kopf hob. „Falk?“ Von draußen kam ein unterdrücktes Stöhnen. „Lebst du noch?“ „Nein!“ „Schade.“ Isaé war aufgesprungen und im Begriff gewesen, nachzusehen, ob Falk Hilfe brauchte, doch Jorek hielt sie zurück. „Lass ihn, dem geht’s gut…“ grinste er, und wenig später wurde die Tür aufgestoßen. Falk trat herein, mit Schlamm an den Hosen, Dreck im blonden Haar und einem Gesicht, dem man ansah, dass es nun genug war.  Jorek betrachtete ihn von oben bis unten. „Na, hat dich die Vierte vom Dach geschubst?“ „Halt dein lästerliches Maul.“ Jorek grinste. „Kann sie also doch was. Vielleicht sollte ich ihr auch eine Münze opfern.“ „Wenn du nicht gleich dein Maul hältst, schlag ich dir die Zähne aus. Dann kannst du der Vierten gleich ein paar davon opfern!“ „Dafür müsstest du mich erst mal erwischen. Und so, wie du vom Dach gekommen bist, würde ich nicht darauf wetten, dass dir das gelingt.“ Falk machte einen Schritt auf ihn zu. „Du wärst nicht mal das Dach hochgekommen, du Fettsack. Der Meinung war sogar Arved! Ich hab den Rauchfang freigemacht, du undankbarer Drecksack!“ „Und uns dabei beinahe erstickt!“ „Erstickt? Du stehst doch noch da und reißt das Maul auf, so schlimm kanns also nicht sein!“ „Nur weil ich den ganzen Ruß wieder ausgehustet hab, den du mir in den Rachen geschoben hast!“ „Dann sei froh, dass ich dir nicht noch das halbe Krähennest hineingeschoben hab!“ „Versuch's doch!“ Jorek erhob sich von seinem Schemel. Falk blieb vor ihm stehen, die Hände zu Fäusten geballt, und für einen Augenblick sah es tatsächlich so aus, als würden die beiden aufeinander losgehen. „Jetzt reicht's aber“ mischte sich Marten ein. Er erhob sich, stellte sich zwischen sie beide und drückte Jorek mit einer Hand gegen die Brust, zurück. „Falk hat den Rauchfang freigemacht. Dass dabei der ganze Dreck herunterkommt, hätte jedem von uns passieren können.“ „Er hätte trotzdem vorher seinen Schädel benutzen sollen!“ knurrte Jorek. „Du hast doch selbst danebengestanden und zugesehen“ gab Marten zurück. „Ich hab überhaupt nichts gesehen! Die ganze Hütte war voller Rauch!“ rechtfertigte sich Jorek mit erhobenen Händen „Und jetzt ist die Hütte voller Ruß“ sagte Falk. „… aber wenigstens kannst du wieder atmen, um weiter Unsinn zu reden.“ „Bei den Dreien, Falk“ seufzte Marten, „du machst es auch nicht besser.“ „Was denn? Er hat angefangen!“ „Du bist ein erwachsener Mann.“ „Er auch!“ „Dann benehmt euch beide endlich so!“ Arved hatte während des gesamten Streits auf einem Hackklotz gesessen und versucht, den Ruß von seinem Lederwams zu klopfen. Nun hielt er inne, betrachtete die beiden Streithähne und schüttelte langsam den Kopf. „Wenn ihr beiden mit eurem Gezänk fertig seid, könnte einer von euch das Wasser holen.“ „Ich war gestern“, brummte Jorek. „Und ich vorgestern“, erwiderte Falk. Arved zog die Brauen hoch. „Dann geh heute nochmal.“ Falk starrte ihn ungläubig an. „Ich bin gerade erst vom verdammten Dach gefallen!“ „Dann kennst du ja den Weg nach draußen schon.“ Isaé brach erneut in Gelächter aus, versuchte jedoch die Situation ein wenig zu beruhigen. „Alles gut, ich geh schon! Kann mich ja auch mal nützlich machen!“ „Nee Mädchen, lass gut sein, Falk geht heute“, entschied Arved. „Du bist ein ungerechter alter Bastard“, beklagte sich Falk. „Und trotzdem hast du mich gern.“ „Die Alte muss dich längst vergessen haben, Arved. Anders kann ich mir nicht erklären, warum du immer noch unter uns weilst.“ Marten, der jetzt schweigend seine Stiefel mit Fett eingerieben hatte, und nun den ganzen schwarzen Ruß mitverrieb, hob nun den Blick. „Rede nicht so über sie.“ Falk hielt inne. „Über wen?“ „Über die Alte.“ „Was hab ich denn gesagt?“ „Du weißt genau, was du gesagt hast.“ sagte Martens und richtete einen seiner Stiefel auf ihn in dem sein halber Arm steckte. Jorek schnaubte. „Jetzt geht das wieder los.“ Falk stemmte die Hände in die Hüften. „Ich hab ihr heute Morgen eine Münze gegeben. Ein ganzer Dunkler. Dafür wird sie wohl einen kleinen Scherz vertragen.“  „Uh, ein ganzer Dunkler. Was für eine würdige Opfergabe!” äffte er, bevor sein Tonfall wieder ernster und abgeklärter wurde. “Du hast lediglich eine Münze in einen Brunnen geworfen“, sagte Jorek. „Wenn du Pech hast, angelt ihn ein Bauer heraus und kauft sich davon ein Bier.“ „Es war ein geweihter Brunnen.“ „Es war ein Loch mit Wasser.“ „An einem Schrein!“ „Neben einem verlassenen Stall.“ Isaé lachte auf. Falk warf ihr einen beleidigten Blick zu, der jedoch nicht lange hielt. „Lach du nur, Isaé. Ohne meine Münze hätten wir die Hexe wahrscheinlich gar nicht erwischt.“ „Ohne meine Armbrust hätten wir ihn ganz gewiss nicht erwischt“, bemerkte sie und erhob den Zeigefinger und wedelte damit vor ihm hin und her. Falk verschränkte die Arme vor der Brust und zog eine beleidigte Miene. „Deine Armbrust hätte dir wenig genutzt, wenn die Drei uns nicht gewogen gewesen wäre.“ Jetzt richtete sich Jorek ein wenig auf. „Dann sollen die Drei beim nächsten Mal gefälligst selbst schießen, hm?“ sagte Jorek. Arved zog den Faden fest, betrachtete die Naht und durchtrennte den überflüssigen Faden mit der Klinge seines Messers. „Falk, hol Wasser.“ Mit einem letzten finsteren Blick auf Jorek griff Falk nach den Eimern und verschwand. 

Eine Weile war nur das Knacken des Feuers zu hören. Dann sagte Martens „Du könntest den Glauben anderer wenigstens achten, Jorek.“ „Tu ich doch. Soll Falk seine Kupfermünzen versenken, wo er will. Aber wenn er mir noch einmal erzählt, dass die Götter seine Hand geführt haben, während ich bis zu den Knöcheln hinter der verdammten Hexenhütte im Morast stand, schlag ich ihm den Eimer über den Kopf.“ „Du glaubst also wirklich an nichts?“ wandte sich Isaé Jorek zu. In der Hexenjägertruppe war er tatsächlich der Einzige der völlig frei von der Leber weg zugab, dass er der Religion nichts abgewinnen konnte. Isaé waren noch nicht viele Menschen begegnet, die das so offen zugaben, und es gab ihr durchaus Hoffnung, dass an ihr nichts verkehrt war. Jorek streckte die Beine aus. „Doch. Ich glaube zum Beispiel daran, dass Falk mit leeren Eimern zurückkommt, weil er sich hat ablenken lassen, und unterwegs wieder irgendeinen heiligen Stein oder Tümpel findet.“ Isaé schüttelte den Kopf. Sie hatte ebenfalls ihre Stiefel ausgezogen und streckte abwechselnd ihre Füße gegen das Feuer um diese aufzuwärmen. „Ich meine es ernst.“ „Oh, ich auch, Isaé.“ Marten schüttelte den Kopf, doch ein schwaches Lächeln huschte über sein Gesicht. „Er glaubt an mehr, als er zugibt.“ „Ach?“ hob Jorek überrascht den Kopf. „Nicht an die Drei. Aber an Arved Urteilsvermögen. Oder an meine Heilkunst. Und ganz sicherlich daran, dass wir ihn nicht zurücklassen würden, wenn er in Schwierigkeiten steckt.“ Arved kramte schweigend in seiner Tasche und holte einige Dinge hervor. Von ganz unten ein Dreibein, ein Gestänge, einige schrumpelige Rüben, eine Speckseite, Salz und Gewürze. Er baute den Dreibein über dem Lagerfeuer auf, das schon besser brannte. Mit halbem Ohr hörte er den anderen zu. „… das sind Dinge, die ich sehen oder anfassen kann” meinte Jorek zu Marten. „Nicht immer…” hielt Martens dagegen. Jorek öffnete den Mund, schloss ihn jedoch wieder und griff stattdessen nach seinem Becher. „Haben wir diese Flasche Wein eigentlich noch?” fragte er in die Runde. Isaé betrachtete Marten, bevor sie sich erhob und aus einer der Taschen nach der Flasche Wein suchte. Dieser hatte seine Arbeit unterbrochen und hielt eine kleine Holzfigur zwischen den Fingern. Die Tragende. Er trug sie in diesen zwei Jahren, seit sie ihn kannte, an einem Lederband um den Hals. „Und du Marten,?“, fragte sie. „Warum glaubst du?“ Marten drehte die Figur einmal in seiner Hand. „Weil ich Hoffnung habe.“ Isaé sah ihn fragend an, während sie die Weinflasche entkorkte und Joreks Becher auffüllte. „Meine Frau ist seit elf Jahren tot, Ich weiß noch immer, wo sie begraben liegt. Ich weiß auch, was mit einem Körper geschieht, wenn er lange genug in der Erde liegt. Aber ich möchte glauben, dass das nicht alles gewesen ist.“ Marten. Der Ruhigste unter den Männern. Bedächtig, zurückhaltend und weniger geneigt, sich an den ständigen Streitereien zu beteiligen. Wenn er sich einmischte, dann meist, um die Gemüter zu beruhigen. Seine Frau war gestorben. Er glaubte aufrichtig an die Drei, wobei der die Tragende bevorzugte und eine kleine geschnitzte Figur von ihr bei sich trug. Sein Glaube gab ihm Hoffnung, seine Frau nach dem Tod wiederzusehen. Gerade mit Marten konnte Isaé über den Verlust Aduans sprechen, weil er ihre Sehnsucht nach einem verstorbenen Menschen verstand. Jorek starrte in seinen Becher. „Aber du weißt doch gar nicht, ob die Tragende sie aufgenommen hat“, sagte Isaé. „Nein. Vielleicht ist sie einfach fort.“ „Vielleicht. Und das genügt dir?“ hakte Isaé nach. Marten strich mit dem Daumen über das geschnitzte Gesicht. „An manchen Tagen.“ Isaé schwieg. Sie hatte nicht erwartet, dass er so antwortete. „Und an den anderen?“, fragte sie schließlich. „An den anderen vermisse ich sie einfach nur.“ Arved sah nicht auf als er die kleine Speckseite in Streifen schnitt. Isaé sah ihm dabei zu. Sie wusste, dass es jenes Messer war, das er täglich benutzte um sich zu rasieren. Sie versuchte diesen Umstand zu ignorieren. „Der Glaube ist kein Kuhhandel, Mädchen. Du wirfst nicht drei Kupfermünzen in einen Brunnen und bekommst dafür drei gute Tage.“ „Sag das Falk“, erwiderte Marten. „Falk ist ein Trottel“, gluckste Jorek. „Das hab ich gehört!“, rief es von draußen und kurz darauf erschien er in der Tür der alten Köhlerhütte und trug in beiden Händen einen gefüllten Eimer. Jorek brach in Gelächter aus. 

Arved wartete, bis es wieder still geworden war. „Die Drei haben uns keine leichte Welt versprochen“, fuhr er fort. „Sie haben uns Verantwortung auferlegt. Alles, was wir tun, wird Teil unseres Fadens. Was wir bewahren, was wir zerstören, wem wir helfen und wem wir Leid zufügen. Und vor den Drei zählt der Faden eines Königs nicht mehr als der eines Bettlers.“ „Und wer sagt, was Unrecht ist? Vielleicht ist es vor den Dreien ja auch falsch, Hexen zu töten.“ fragte Isaé. „Du hast einen Kopf auf den Schultern und ein Gewissen, Mädchen. Beides solltest du benutzen. Aber was dein Faden am Ende wert ist, und ob er im Geflecht bleibt, darüber urteilen allein die Drei.“ Arved sah sie an, und Isaé hob eine Hand, die Handfläche nach oben gerichtet. „Aber wenn ich selbst entscheiden muss, was richtig ist, und ohnehin selbst die Folgen tragen muss, wozu brauche ich dann drei Göttinnen, die mir dabei zusehen?“ Jorek nickte und hob langsam seinen Becher. „Auf das Mädchen. Neben mir die Einzige hier, die nicht nur Stroh im Kopf hat.“ 

Isaé musste zugeben, dass sie sich durch Joreks Worte bestätigt fühlte, und sprach weiter. „Wenn ich einem Menschen helfe, dann tue ich es, weil er Hilfe braucht. Nicht, weil die Götter mich dafür belohnen. Und wenn ich etwas Schlechtes tue, wird es nicht besser, weil ich anschließend vor einem Schrein knie und um Vergebung bitte.“ „Das behauptet auch keiner“, sagte Marten. „Dann verstehe ich es nicht.“ sagte sie. „Du musst es auch nicht verstehen“, erwiderte Arved. „Aber ich soll kopflos daran glauben?“ „Hat dich jemand darum gebeten?“ Isaé sah ihn an. Der Alte nahm ebenso einen Becher zur Hand und bedeutete ihr, die noch die angebrochene Flasche in der Hand hielt, ihr einzugießen. „Meine Mutter hat gebetet“, sagte sie schließlich. „Jeden Morgen und jeden Abend. Als die Pest kam, hat sie noch mehr gebetet. Sie hat die Junge um Leben gebeten und die Tragende um Kraft. Und als sie begriffen hat, dass es nicht besser wird, hat sie zur Alten gebetet.“ Niemand unterbrach sie. „Sie sind trotzdem gestorben.“ Schweigen erfüllte jetzt die Hütte und nur das Knacken des Feuers war zu vernehmen. „Ich weiß“, sagte Arved. „Und Aduan auch…“ Ihre Stimme war brüchig geworden und sie ärgerte sich darüber und presste die Lippen aufeinander. In einem solchen Haufen von rauen Männern versuchte sie stets, nicht allzu rührselig zu sein, obwohl ihr oft danach ist.  „Vielleicht haben sie ja zu wenig gebetet“, fuhr sie nach einer Weile fort. „Oder die falschen Worte gesprochen. Vielleicht waren ihre Fäden im großen Geflecht eben nicht mehr wichtig genug.“ „Isaé“, begann Marten. „Nein. Ich weiß schon, was du sagen willst. Dass die Drei nicht jeden retten können. Dass alles seinen Lauf nehmen muss. Dass wir die Gründe nicht verstehen. Wills du auch Wein? Und du, Falk?“ unterbrach sie ihre Worte und schenkte den beiden auf ihr Kopfnicken hin schließlich auch Wein in ihre Becher und reichte sie ihnen. Den verbliebenen Rest in der Flasche nahm sie an sich. „Aber wenn die Götter ohnehin nichts ändern können, warum bittet man sie dann überhaupt? Und wenn sie etwas ändern können, warum haben sie es nicht getan?“ Arved antwortete nicht sofort. „Das weiß ich nicht“, sagte er schließlich. Sie hatte mit einer Moralpredigt gerechnet. Mit einer Erklärung, weshalb ihre Eltern hatten sterben müssen, obwohl sie gute Menschen gewesen waren. Weshalb Aduan hatte sterben müssen, obwohl er niemandem etwas zuleide getan hatte. Und warum es so viele schlechte Menschen gab, die ein wunderbares Leben führten.  Stattdessen saß der Alte vor ihr und gab zu, keine Antwort zu haben. „Dann glaube ich lieber an nichts.“ Jorek nickte langsam. „Kann man machen.“ Marten senkte den Blick auf seine kleine Holzfigur. „Kann man“, sagte auch er. Isaé sah zwischen ihnen hin und her. „Das ist alles?“ „Was willst du hören?“, fragte Arved. „Weiss nicht. Vielleicht, dass ich falsch liege? Dass ich eines Tages schon begreifen werde, warum die Drei all das zugelassen haben?“ Arved trank einen Schluck aus seinem Becher. „Vielleicht liegst du falsch. Vielleicht auch ich. Wenn die Drei eines Tages mit mir darüber reden wollen, werde ich mir anhören, was sie zu sagen haben.“ „Und wenn sie nichts sagen?“ „Dann stehe ich vor ihnen wenigstens mit einem ordentlich geflickten Wams!“ grinste er und hielt ihr das sauber geflickte Ding vor. Jorek warf einen Blick auf Falk, der immer noch mit den Eimern dastand und zugehört hatte. betrachtete das Wasser, das aus einem der Eimer auf den Boden tropfte. „Na wenigstens hast du den Brunnen gefunden.“ „Natürlich.“ „Und hast du noch eine Münze hineingeworfen?“ zog er ihn auf und Falk schwieg. Jorek schlug sich mit der flachen Hand aufs Knie. „Ich wusste es!“ „Es war nur eine kleine!“ „Du verdammter Narr“, sagte Arved. „Wir brauchen auch Geld für Brot.“ „Die Drei werden es uns vergelten.“ „Ich ziehs dir einfach von deiner nächsten Brotration ab, dann werden wir sehen wie oft du noch das sauer verdiente Geld in Brunnen wirfst…“

Später, als die Männer ihre Decken ausbreiteten und das Feuer nur noch schwach glomm, blieb Isaé noch eine Weile auf ihrem Platz sitzen. Sie hatte ihre kleine Pfeife hervorgeholt, den Kopf mit Feuermohn gefüllt und mit einem glimmenden Span entzündet. Nun zog sie langsam daran, während ihre Gedanken noch immer um das Gespräch kreisten. „Eines noch, Mädchen.“ Arved war neben ihr stehen geblieben. Sein Blick fiel auf die Pfeife, und er verzog missbilligend den Mund. „Du weißt schon, dass dich das Zeug eines Tages zugrunde richtet?“ Isaé nahm die Pfeife aus dem Mund und sah zu ihm auf. „Du weißt schon, dass du mir das nicht zum ersten Mal sagst?“ „Und offenbar auch nicht zum letzten Mal.“ Isaé zog erneut an ihrer Pfeife, ließ den Rauch langsam entweichen und sah ihn über den Pfeifenkopf hinweg an, sagte aber nichts. Arved schnaubte, machte jedoch keine Anstalten, ihr die Pfeife abzunehmen. „Du hast uns heute ganz schön auf den Zahn gefühlt, Mädchen.“ Isaé nahm die Pfeife von den Lippen. „Ihr habt ja auch genug geredet.“ „Das stimmt wohl.“ Arved schmunzelte. „Vor allem Falk.“ Aus der anderen Ecke der Hütte kam ein mürrisches Grunzen. Arved überlegte einen Augenblick lang, dann meinte er „Du musst nicht glauben, was ich glaube, Isaé. Oder was Marten glaubt, oder Falk. Aber ich wünsche dir, dass du eines Tages wieder etwas findest, das dir Halt gibt…“

Und nun, so viele Jahre später, an diesem fremden, unheilvollen Ort, erinnerte sie sich wieder daran. Svar Drauga. Die Worte des alten Hexenjägers waren ihr unvermittelt in den Sinn gekommen, während sie inmitten der uralten Mauern stand und ihr Spiegelbild in dem Wasserbecken suchte. Damals hatte sie nicht gewusst, was sie mit Arveds Worten anfangen sollte. Sie hatte nicht einmal danach gesucht, etwas zu finden, woran sie sich halten konnte. Heute war das anders. Sie brauchte den Glauben noch immer nicht, um ihrem Leben einen Sinn zu geben. Doch inzwischen gab es etwas, das sie damals kaum mehr für möglich gehalten hätte. Sie hatte Entaro gefunden. In ihm fand sie Halt und Trost, aber vor allem die Hoffnung auf eine Zukunft, die sie nicht länger allein bestreiten musste. An seiner Seite konnte sie sich wieder ein Leben vorstellen, das mehr bereithielt als den nächsten Tag, den es irgendwie zu überstehen galt. Und keine Prüfung, die dieser Ort, oder Ser Gawaïn ihr auferlegten, würde daran etwas ändern.

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